Das Stempelsiegel ist ein in hartes, beständiges Material (Stein, später auch Metall) geschnittenes Prägewerkzeug bestehend aus Haltegriff und Prägeplatte am unteren Ende, um Symbole, Inschriften, Bilder, Signaturen später Wappen, Hoheitssymbole in weichen Ton (später auch Wachs Siegellack) zu prägen. Je nach Form des Griffes spricht man von Giebelsiegel, Kegelsiegel oder allgemein Stempelsiegel. Oft waren die Griffteile zur Aufnahme einer Schnur horizontal durchbohrt. Damit ließen sich kleine Siegelstempel am Hals stets mit sich führen. Erste Funde stammen aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien, Anatolien (Hethiter im 2. Jahrtausend v. Chr.) und Ägypten. Hier waren vor allem Skarabäen als Siegelwerkzeug in unterschiedlicher Größe weit verbreitet und dienten unter anderem der Versiegelung von Grabstätten. Die meist ovale gewölbte Käferform hatte die Prägefläche in der Unterseite integriert. Im Gegensatz zum Rollsiegel wird das Stempelsiegel in den Siegelklumpen von oben eingedrückt. Dabei kann das Stempelsiegel gegenüber dem Rollsiegel, das immer einen rechteckigen Rollabdruck hinterlässt, neben dem Zeicheninhalt auch eine bestimmte Form zur Unterscheidung und Klassifizierung haben, wie rund, oval, quadratisch, rautenförmig oder komplizierter geformt. Es war das bevorzugte Prägewerkzeug in Anatolien und konnte auch durch das im 2. Jahrtausend v. Chr. eingeführte Rollsiegel nicht verdrängt werden. Die hethitische Verbwurzel ‘šai-/šiya-‘ = ‘festdrücken’ gilt neben dem lat. ‘sigillum’ n. = ‘das Bildchen’ als Wurzel für das deutsche Wort ‘Siegel’. Aus den Stempelsiegeln entwickelten sich im Laufe der Zeit die Siegelringe und Petschaften.